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Hinrichtung trotz Krankheit



29.03.2017

Hinrichtung trotz Krankheit
Herr JACK JONES

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Jack Jones soll am 24. April wegen eines Mordes, der 1995 verübt wurde, im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet werden. Die Geschworenen, die ihn zum Tode verurteilt hatten, wussten nicht, dass bei ihm kurz vor dem Verbrechen eine bipolare Störung diagnostiziert wurde. Jack Jones ist heute 52 Jahre alt.

Am 6. Juni 1995 wurde die 34-jährige Mary Philips in der Buchungsstelle in Bald Knob, Arkansas, wo sie als Buchhalterin gearbeitet hat ausgeraubt, vergewaltigt und ermordet. Ihre 11-jährige Tochter, die bei dem Übergriff mit dabei war, wurde gewürgt, verprügelt und vom Täter für tot gehalten. Doch sie überlebte den Angriff. Im April 1996 wurde der damals 31-jährige Jack Jones wegen Mord, Vergewaltigung und versuchtem Mord verurteilt. Im Gerichtssaal hörten die Geschworenen Beweise über die Wirkung von Ritalin beim Angeklagten, das er als Kind einnahm. Ritalin ist ein Medikament, das dazu gedacht ist, die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zu behandeln. Statt eines Experten, stellte Jack Jones Schwester die meisten Beweise zu der Störung vor. Eine Ärztin der Verteidigung sagte aus, dass Jack Jones mehrmals versucht habe sich selbst zu töten, der ADHS-Erkrankung inzwischen entwachsen sei und er nun treffender als antisoziale Persönlichkeit diagnostiziert werden könnte. Ein weiterer Experte der Verteidigung sagte aus, dass Jack Jones keine bipolare Störung habe. Dieser Arzt, der zwei Jahre zuvor seine ärztliche Zulassung bei Beginn eines Drogen- und Alkoholentzugsprogramms abgegeben hatte, bezeugte, dass er Jack Jones Schmerzmittel verschrieben habe, allerdings konnte er nicht mehr sagen, wann und welche Medikamente er ihm verschrieben hatte. Außerdem habe er sich nicht mit den anderen Ärzten_innen, die den Angeklagten behandelten, abgesprochen. Die Geschworenen verurteilen Jack Jones zum Tode.

Was die Geschworen allerdings nicht hörten war, dass sich Jack Jones einige Monate vor dem Verbrechen freiwillig in ein Krankenhaus eingewiesen hat, wo bei ihm eine bipolare Störung (auch bekannt als eine manisch-depressive Erkrankung) diagnostiziert wurde, eine ernstzunehmende geistige Behinderung. Das Gutachten vermerkte, dass er "viele Suizidgedanken habe und Vorstellungen, wie er sich selbst verletzen könne". Am 8. Mai 1995, weniger als ein Monat vor dem Verbrechen, wurde bei ihm ein weiteres Mal eine bipolare Störung diagnostiziert mit der Bemerkung, dass er "extrem bipolar" sei. Nach einem Selbstmordversuch vier Jahre zuvor war er unfreiwillig in eine psychiatrische Einrichtung in Ohio gebracht worden. Zu diesem Zeitpunkt wurde bei ihm eine schizoaffektive Störung mit Depressionen diagnostiziert. Schon 1989 hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen.

2005 gab ein Experte für Strafmilderung eine Beurteilung über die Untersuchung und Präsentation der Verteidigung im Hinblick auf eine mögliche Strafmilderung ab. Er kam zu dem Schluss, dass die Verteidigung bei der letzten Anhörung zum Strafmaß "weit unter den Standards lag, die man von einem Rechtsbeistand in einem Mordfall erwartet. Die wichtigsten Themen im Leben des Herrn Jones fehlten, es wurde nur negatives psychologisches Beweismaterial vorgestellt, obwohl eine Vielzahl von Zeugen_innen zur Verfügung stand, um eine eindrucksvolle Sozialgeschichte zu belegen und damit daran scheiterte, gute Argumente für sein Leben vorzubringen". Er vertrat die Ansicht, dass das Beweismaterial eine Fehldiagnose, also keine ADHS-Erkrankung sondern vielmehr eine "schon im Kindesalter aufgetretene bipolare Störung" bei Jack Jones nahelege. Außerdem vermerkte er, dass Jack Jones "im frühen Alter anfing, illegale Drogen zu nehmen, um die Symptome seiner psychischen Erkrankung zu lindern", was unter Kindern und Heranwachsenden mit bipolarer Störung üblich sei.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte begnadigen Sie Jack Jones und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.
  • Bitte beachten Sie, dass die Geschworenen nicht wussten, dass Jack Jones in den Monaten vor der Tat eine bipolare Störung, also ein schwerwiegenden geistige Erkrankung attestiert wurde.
  • Ich möchte Ihnen versichern, dass ich Gewalttaten in keiner Weise entschuldigen oder die Konsequenzen herunterspielen möchte.

APPELLE AN

GOUVERNEUR VON ARKANSAS
The Honorable Asa Hutchinson
Governor of the State of Arkansas,
State Capitol, Suite 250
500 Woodlane St, Little Rock, AR 72201
USA
(Anrede: Dear Govenor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (001) 501 682 3597 oder (001) 501 682-1382
E-Mail: http://governor.arkansas.gov/contact-info/

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i.
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, sodass sie noch vor dem 24. April 2017 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN (AUF ENGLISCH)

When the Arkansas Supreme Court upheld Jack Jones's conviction and death sentence in 1997, it noted that the jury had unanimously found three mitigating circumstances - that he had cooperated with police by voluntarily going to the police department; that he had given a full confession and accepted full responsibility for the crimes; and that he had a "turbulent and troubled childhood". The court then noted that the jury made "inconsistent findings" with regard to other mitigating evidence, including that Jack Jones "suffered from the mental disease or defect of attention-deficit hyperactivity disorder" and that "despite his efforts, Jones was repeatedly misdiagnosed and treated with inappropriate medications". The state Supreme Court noted that it was unclear from the jury form whether "some or none of the jurors determined that these factors constituted mitigating circumstances". It ruled that any inconsistency in the jury's form-filling was "harmless". It was not asked, and did not address, whether the inconsistency was a result of any failure on the part of the defence counsel to investigate and present mitigation. Little was added to this question during state-level appeals, and Jack Jones was denied a federal hearing when the case went to the federal appeals courts.

International law and standards on the use of the death penalty clearly state that it may not be imposed or carried out on people with mental or intellectual disabilities. This applies whether the disability was relevant at the time of their alleged commission of the crime or developed after the person was sentenced to death.

In view of the irreversible nature of the death penalty, the proceedings in capital cases must scrupulously observe all relevant international standards protecting the right to a fair trial, no matter how heinous the crime. All individuals who risk facing the death penalty must benefit from the services of competent defence counsel at every stage of the proceedings. In addition, all mitigating factors must be taken into account.

In view of the irreversible nature of the death penalty, the proceedings in capital cases must scrupulously observe all relevant international standards protecting the right to a fair trial, no matter how heinous the crime. All individuals who risk facing the death penalty must benefit from the services of competent defence counsel at every stage of the proceedings. In addition, all mitigating factors must be taken into account.
Like many states, Arkansas has faced problems sourcing chemicals for its lethal injection protocols and implementing protocols that courts find constitutional. On 23 June 2016, the Arkansas Supreme Court upheld the state's three-drug execution protocol, which uses a barbiturate or midozalam as a sedative, vecuronium bromide as a paralytic agent, and potassium chloride to induce fatal cardiac arrest. After the US Supreme Court declined to intervene in February 2017, Governor Hutchinson set execution dates for the eight men on whose behalf the legal challenge to the protocol had been brought: Bruce Ward and Don Davis on 17 April; Ledelle Lee and Stacey Johnson on 20 April; Marcel Williams and Jack Jones on 24 April, and Jason McGehee and Kenneth Williams on 27 April. See https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/5816/2017/en/.

There have been six executions in the USA this year, bringing the total to 1,448 since judicial killing resumed in the USA in 1977 under new capital statutes approved by the US Supreme Court in 1976. The last execution in Arkansas - its 27th since 1977 - was carried out in 2005. Amnesty International opposes the death penalty in all countries and all cases, unconditionally. Today some 141 countries are abolitionist in law or practice.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for clemency for Jack Jones and for his death sentence to be commuted.
  • Expressing concern that the jury never knew that Jack Jones had been diagnosed with bipolar disorder, a serious mental disability, in the months before the crime.
  • Explaining that you are not seeking to condone violent crime or to downplay its consequences.

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