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Todesstrafe für Zauberformel



14.05.2010

Todesstrafe für Zauberformel
ABDUL HAMID AL-FAKKI, etwa 36-jähriger Sudanese

Dem Sudanesen Abdul Hamid al-Fakki droht die Hinrichtung. Er wurde 2007 in Saudi-Arabien der "Hexerei" für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Abdul Hamid al-Fakki: © privatAbdul Hamid al-Fakki: © privatAbdul Hamid Bin Hussain Bin Moustafa al-Fakki war am 8. Dezember 2005 in der saudischen Stadt Medina von der islamischen Religionspolizei Mutawa'een (Komitee zur Verhütung des Lasters und Verbreitung der Tugend) unter der Anschuldigung der Hexerei festgenommen worden. An dem fraglichen Tag hatte ein Mitarbeiter der Mutawa'een den Sudanesen angesprochen und gebeten, eine Zauberformel zu deklamieren, um zu bewirken, dass sich sein Vater von seiner zweiten Frau trennt und zur ersten Frau, seiner leiblichen Mutter, zurückkehrt. Allem Anschein nach ging Abdul Hamid al-Fakki gegen Zahlung von 6.000 Saudi-Riyal (rund 1.300 Euro) darauf ein.

Der Mann händigte ihm offenbar einen Vorschuss in Höhe von 2.000 Saudi-Riyal aus und nannte ihm die Namen seines Vaters und dessen zweiter Frau sowie die Namen der Mütter der beiden. Man verständigte sich auf ein weiteres Treffen am selben Tag nach Auftragserfüllung. ¢Abdul Hamid al-Fakki suchte den vereinbarten Treffpunkt auf und wurde von Mitarbeitern der Religionspolizei dabei beobachtet, wie er in das Fahrzeug des Polizisten in Zivil stieg und ihm neun kleine Papierstücke überreichte, die mit Safran geschriebene Zeilen aufwiesen. Daraufhin erhielt er den Rest der vereinbarten Geldsumme. ¢Abdul Hamid al-Fakki wurde verhaftet und die bei ihm gefundenen Banknoten sichergestellt. Die Seriennummern der Geldscheine hatte die Religionspolizei zuvor notiert.

Abdul Hamid al-Fakki wurde verhört und offenbar mit Schlägen misshandelt. Man geht davon aus, dass er sich schuldig bekannt hat, sich der "Hexerei" bedient zu haben, als er versuchte, die Familienprobleme des Mannes beizulegen, von dem er angesprochen worden war.

Zunächst wurde Abdul Hamid al-Fakki einem Standgericht vorgeführt, vor dem üblicherweise Bagatelldelikte verhandelt werden. Das Gericht erklärte sich jedoch für nicht zuständig. Daraufhin wurde der Fall an ein Gericht (General Court) in Medina verwiesen, das den Angeklagten am 27. März 2007 der "Hexerei" schuldig sprach und die Todesstrafe gegen ihn verhängte. Der Prozess selbst fand ohne Rechtsbeistand hinter verschlossenen Türen statt, weshalb kaum Informationen darüber bekannt sind. Der Urteilsspruch liegt mittlerweile drei Jahre zurück, so dass von einer baldigen Hinrichtung ausgegangen werden muss. Derzeit befindet sich Abdul Hamid al-Fakki im Gefängnis von Medina. Seine betagten Eltern haben sich offenbar vergeblich an die sudanesischen Behörden um Hilfe gewandt, um die Hinrichtung abzuwenden und die Freilassung ihres Sohnes zu erwirken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der Strafbestand der "Hexerei" ist nicht definiert, und wurde bereits häufig missbraucht, um Menschen für die Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung und die Ausübung der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu bestrafen.

Die Behörden in Saudi-Arabien haben bereits im vergangenen Jahr sehr viele Menschen aufgrund von Hexerei-Vorwürfen inhaftiert, dieses Jahr sind es noch mehr. Viele wurden von der islamischen Religionspolizei Mutawa'een verhaftet. Die letzte nachweisbare Hinrichtung wegen "Hexerei" war die des Ägypters Mustafa Ibrahim am 2. November 2007. Er wurde im Mai 2007 in der Stadt Arar festgenommen, wo er als Apotheker arbeitete. Ihm wurde vorgeworfen, ein Exemplar des Korans entwürdigt zu haben, weil er es in eine Toilette geworfen haben soll.
In Saudi-Arabien wird die Todesstrafe für viele Vergehen verhängt, einschließlich solcher, die nicht zum Tode einer Person geführt haben. Gerichtsverfahren entsprechen bei Weitem nicht den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren. Den Angeklagten wird nur selten eine rechtliche Vertretung zugestanden, und sie werden häufig nicht über den Stand des Verfahrens gegen sie informiert. Zudem sind Verurteilungen auf der Basis von durch Zwang oder Täuschung erzielten Geständnissen zulässig. Seit Beginn des laufenden Jahres sind mindestens elf Menschen hingerichtet worden.

Amnesty International hebt in einem Bericht aus dem Jahr 2008 über die Todesstrafe in Saudi-Arabien deren häufige Anwendung und die unverhältnismäßig hohe Anzahl an Exekutionen ausländischer Staatsbürger und Staatsbürgerinnen aus sogenannten Entwicklungsländern hervor. Zusätzliche Informationen finden Sie auf Englisch unter: Saudi Arabia: Affront to Justice: Death Penalty in Saudi Arabia, 14. Oktober 2008: http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/report/saudi-arabia-execution...)

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Appellieren Sie an den saudischen König, die Hinrichtung von ¢Abdul Hamid al-Fakki auszusetzen.
  • Fordern Sie die umgehende und bedingungslose Freilassung von Abdul Hamid al-Fakki, falls er nur deshalb in Haft gehalten wird, weil er von seinen Rechten auf freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit in friedlicher Weise Gebrauch gemacht hat.
  • Appellieren Sie an die Behörden, Menschen nicht länger wegen "Hexerei" anzuklagen und zu verhaften, weil dadurch die legitimen Rechte eines jeden Menschen auf freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit verletzt werden.

APPELLE AN

KÖNIG
His Majesty
King 'Abdullah Bin 'Abdul 'Aziz Al-Saud
The Custodian of the two Holy Mosques
Office of His Majesty the King
Royal Court, Riyadh, SAUDI-ARABIEN
(korrekte Anrede: Your Majesty)
Fax: (00 966) 1 403 1185
(über das Innenministerium)

INNENMINISTER
His Royal Highness
Prince Naif bin 'Abdul 'Aziz Al-Saud
Ministry of the Interior
P.O. Box 2933, Airport Road,
Riyadh 11134, SAUDI-ARABIEN
(korrekte Anrede: Your Royal Highness)
Fax: (00 966) 1 403 1185

KOPIEN AN
VORSITZENDER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSKOMMISSION
Mr Bandar Mohammed 'Abdullah Al-Aiban
Human Rights Commission
P.O. Box 58889, King Fahad Road
Building No. 373, Riyadh 11515
SAUDI-ARABIEN
Fax: (00 966) 1 461 2061
E-Mail: hrc@haq-ksa.org

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS SAUDI-ARABIEN
S.E. Herrn
Prof. Dr. med Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi
Tiergartenstr. 33-34
10785 Berlin
Fax: 030-8892 5179 oder 030-8892 5176
E-Mail: saudi-embassy-berlin@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE SEND APPEALS IMMEDIATELY

  • Urging the King to halt the execution of 'Abdul Hamid al-Fakki;

Calling on the authorities to release 'Abdul Hamid al-Fakki immediately and unconditionally if he has been convicted solely for the peaceful exercise of his rights to freedom of expression and freedom of religion;

  • Urging the authorities to desist from charging and convicting people for "sorcery" where it violates the legitimate exercise of the rights to freedom of expression and freedom of religion.

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