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Die Todesstrafe 2015: ein Jahr der Extreme


In Sachen Todesstrafe zeigt die Bilanz des Jahres 2015 ein gemischtes Bild: mehr Hinrichtungen, weniger Todesurteile und ein neuer Höchststand bei Abschaffungen.

Die Anwendung der Todesstrafe im Jahr 2015 war durch zwei entgegengesetzte Entwicklungen geprägt. So registrierte Amnesty International bei den Hinrichtungen eine drastische Zunahme um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mindestens 1.634 Menschen wurden weltweit in 25 Staaten exekutiert. Das ist die höchste Zahl an Exekutionen, die Amnesty in den letzten 25 Jahren binnen Jahresfrist dokumentiert hat. Wie in den Vorjahren sind in dieser Zahl die in China Hingerichteten nicht enthalten, da dort Statistiken über die Todesstrafe als Staatsgeheimnis eingestuft sind. Es wird geschätzt, dass China nach wie vor jedes Jahr Tausende Menschen hinrichtet, mehr als jedes andere Land.

Auf der anderen Seite schafften 2015 vier Länder die Todesstrafe für alle Straftaten ab. Das ist – bezogen auf das letzte Jahrzehnt – der größte Sprung vorwärts auf dem Weg zu einer Welt ohne Todesstrafe. Andere Staaten setzten die Todesstrafe außer Vollzug oder bereiteten Gesetzesentwürfe vor, mit denen die Todesstrafe abgeschafft werden soll. China und Vietnam verringerten die Anzahl der Straftatbestände, die mit der Todesstrafe geahndet werden können.

Lässt man China unberücksichtigt, zeichnen gerade einmal drei Länder im Jahr 2015 für fast 90 Prozent aller erfassten Hinrichtungen verantwortlich: Iran, Pakistan und Saudi-Arabien. Z
um Jahresende 2015 saßen weltweit mehr als 20.000 Menschen in Gefängnissen und warteten auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile.

In 61 Ländern wurden fast 2.000 neue Todesurteile verhängt, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Oftmals wurde dabei gegen das Völkerrecht und internationale Standards verstoßen: Zur Tatzeit Minderjährige erhielten in einigen Ländern die Todesstrafe. Staaten ahndeten Straftaten wie Drogendelikte mit der Todesstrafe, obwohl diese nicht in die Kategorie "schwerste Verbrechen" fielen und somit die Hürde unterschritten, die das Völkerrecht für das Aussprechen der Todesstrafe setzt. Oft fiel das Todesurteil nach einem unfairen Gerichtsverfahren.

Trotz des bestürzenden Anstiegs der Hinrichtungszahlen in 2015 geht der langfristige Trend in Richtung einer Welt ohne Todesstrafe. Mehr als zwei Drittel aller Staaten weltweit haben aktuell die Todesstrafe per Gesetz oder zumindest in der Praxis abgeschafft. Länder, die an der Todesstrafe festhalten, werden zunehmend zu einer isolierten Minderheit.

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♦  Todesstrafe 2015: Zahlen & Fakten (englisch) [Video]





  

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